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~ Nicht das Beginnen wird belohnt sondern einzig und allein das Durchhalten ~______
(Katharina von Siena)

Donnerstag, 17. September 2009

Laufen mit Erkältung?

Hier und dort mal etwas Husten, ein wenig Schleim und Kratzen im Hals, eine leicht verstopfte Nase, ein "leicht krankes" Körpergefühl. An sich nix Dolles oder wirklich Schlimmes. Seit Tagen ist es auch nicht schlechter geworden.
Aber eben auch nicht besser, obwohl ich mit diversen Mittelchen versuche, den Körper bei der Selbstheilung zu unterstützen. Und inzwischen sind es nur noch 3 Tage bis zum Schwerter Hospizlauf, bei dem ich eigentlich noch einmal einen Trainingsmarathon laufen möchte, der als langer Vorbereitungslauf für den 6-Stunden-Lauf in Otterndorf dienen soll, welcher wiederum Vorbereitungslauf für den Röntgenultra ist.
Doch der Erkältungsvirus sabotiert den Laufvirus hartnäckig und infam. Kleine Mistkröte.

Jetzt steht auf der einen Seite der Wunsch, in Schwerte 42,2 km + X zu laufen und auf der anderen Seite die Befürchtung, dass ich mir einen ernsthaften gesundheitlichen Schaden - Stichwort Herzmuskelentzündung - einfangen kann, wenn ich dies trotz Erkältung mache.
Und ich stehe - etwas ratlos - irgendwo dazwischen.

Da man ja viele unterschiedliche Meinungen zum Thema "Laufen mit Erkältung" gehört hat habe ich mal Tante Google gefragt, ob sie ein paar wissenschaftliche oder zumindest halbwissenschaftliche Quellen kennt, die mir bei der Entscheidungsfindung helfen können.
Ein paar habe ich dann auch gefunden, aus denen ich mal ausschnittweise zitiere:


Bei einem leichten Schnupfen ist leichtes Joggen in Ordnung. Intensives Training dagegen ist tabu. Wichtig ist, in einem niedrigen Pulsbereich zu laufen. Die körperliche Aktivität regt das Herz-Kreis-Laufsystem an und animiert es zur Abwehr des Infekts. Bei einer starken Erkältung oder gar Fieber ist der Körper zu sehr geschwächt, um zusätzliche Belastungen zu vertragen. Wenn Du Dich also schon müde und schlapp fühlst, solltest Du nicht weitere Energie verschwenden und Deinen Körper zusätzlich schwächen.
(Anfängertrainer Piet Könnicke auf achim-achilles.de)

Mit einem Infekt laufen zu gehen,das kann – ganz klar gesagt – gefährlich werden. Denn wenn der Körper ohnehin geschwächt ist und gegen eine Erkältung kämpft, besteht die Gefahr einer Herzmuskelentzündung. Durch die zusätzliche Belastung beim Sport können sich die Viren im Körper ausbreiten. Im schlimmsten Fall befallen sie die Herzmuskeln und verursachen dort eine Entzündung, eine so genannte Myokarditis. (…)
Wenn die Temperatur nicht erhöht ist, kann man mit einer zugeschwollenen Nase durchaus laufen gehen. Denn Sport hat generell einen positiven Einfluss auf das Immunsystem. Ich empfehle aber, in einem solchen Fall im niedrigen Pulsbereich zu trainieren. Auch nach einer überstandenen Erkältung sollte man sich übrigens erstmal wieder an die Belastung gewöhnen und eine Woche lang mit niedrigem Puls laufen.
(Sportmediziner Dr. Joachim Schubert auf DerWesten.de)

Wann darf gelaufen werden, wann nicht? Eine Faustregel kennt auch Dr. David Nieman, Leiter des Zentrums für Leistungsdiagnostik an der Appalachian State University in Nordcarolina und selbst ein gestandener Marathonläufer, nicht. Stattdessen wendet er seine »Halsregel« an: Symptome unterhalb der Halslinie (Bronchitis, Reizhusten, Gliederschmerzen) verlangen Sportruhe, während Symptome oberhalb des Halses (häufiges Niesen, laufende oder verstopfte Nase, Kopfschmerz) kein Trainingsrisiko für Läufer darstellen. Gestützt wird diese Auffassung durch eine Reihe von Untersuchungen der Ball State University in Muncie, Indiana (USA). Für eine dieser unter Leitung von Dr. Tom Weidner wurden zwei Gruppen von je 30 Läufern mit gewöhnlichen Erkältungsviren infiziert. Während die eine Gruppe in der Folgewoche täglich 30 bis 40 Minuten Lauftraining absolvierte, enthielt sich die andere Gruppe jeder körperlichen Belastung. Laut Weidner waren bei den Gruppen »keinerlei Unterschiede hinsichtlich der Dauer oder Schwere des Krankheitsverlaufs feststellbar«. (…)
Bei allem, was über Anzeichen einer leichten Erkältung hinausgeht, ist besondere Vorsicht geboten, da diese leicht auch die unteren Atemwege und die Lunge erfassen und damit zu einem ernsten Problem auswachsen können. Zurückhaltung ist auch bei Sinusitis, der Entzündung der Nasennebenhöhlen, geboten.

(RunnersWorld-Beitrag, veröffentlicht auf scc-events.com)

"Prinzipiell wirkt eine regelmäßige, wohldosierte sportliche Betätigung stimulierend auf das Immunsystem", sagt Dr. med. Wolfgang Kölling, Sportmediziner aus Mandelbachtal. Exzessive Ausdauerbelastungen wie Marathon oder Triathlon können dagegen zur Schwächung der körpereigenen Abwehrkräfte führen, so Kölling. Während einer fieberfreien Erkältung können Sie also durchaus leichten Sport treiben. Allerdings sollten Sie deutlich unterhalb Ihrer maximalen Leistungsfähigkeit bleiben, organisch gesund und in einem gutem Trainingszustand sein.“
(Menshealth.de)

14.11.06 - Ist Ihnen trotz Erkältung nach Rennen und Schwitzen zumute, dann müssen Sie sich nicht bremsen. Vorausgesetzt, Sie fühlen sich wohl und es handelt sich nicht um eine ernste Infektion. Den Segen zum Bewegen bekommen Sie von einer wissenschaftlichen Studie: Um den Zusammenhang von Training und Erkältungskrankheit zu untersuchen, infizierten Wissenschaftler 45 Studenten mit einem Erkältungsvirus. Nach Ausbruch der Krankheit mussten die Probanden aufs Laufband, während man gleichzeitig ihre Lungenfunktion maß. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich trotz Husten, Niesen und verstopfter Nase die Atemkapazität kaum verschlechterte und dass auch die Leistungsfähigkeit unverändert blieb. Voraussetzung für das Training bei Erkältung ist allerdings, dass man nicht ernstlich erkrankt ist und sofort aufhört, wenn sich der gesundheitliche Zustand verschlechtert.
(aerztlichepraxis.de)

Auf anstrengenden Sport möglichst verzichten. (…)
Wer sich auf einen Wettkampf vorbereitet, sollte vor dem Training einen Arzt fragen. Denn harmlose Halsschmerzen könnten die ersten Symptome einer Mandelentzündung sein, deren bakteriellen Erreger sowohl Nieren-Erkrankungen als auch Herzmuskel-Entzündungen hervorrufen können.
(Focus Online)


Für mich heißt das auf den derzeitigen Körperzustand bezogen, dass ein kurzer, lockerer Lauf im niedrigen Belastungsbereich in Ordnung ist - mehr aber auch nicht.
Selbst wenn ich den Marathon - wie auch geplant - im ruhigen, entspannten Tempo laufen würde, käme aufgrund der Dauer und der nicht ganz flachen Runde sicher einiges als Belastung auf den Körper zu, was sich nachhaltig negativ auswirken könnte.

Der Optimist in mir hat die Flinte noch nicht ins Korn geworfen und hofft darauf, in 3 Tagen wieder richtig fit zu sein. Schließlich heißt es ja "die Erkältung kommt 3 Tage, bleibt 3 Tage und geht 3 Tage" - und 9 Tage sind heute bereits um.
Aber so langsam aber sicher denkt selbst der Realist in mir, dass ich den Marathon in Schwerte abhaken kann und das ganze Konstrukt, dass sich darauf aufbaut, ins Wanken gerät.
Die ganze Herbstplanung ist wegen dieser blöden Rüsselpest in der Schwebe, zumal ich wegen des Infektes in den letzten 1 1/2 Wochen gerade einmal 14 km und gestern lockere 6,7 km gelaufen bin und in den Wochen davor kaum Höhenmeter gesammelt habe, die für den Röntgenlauf Ende Oktober so wichtig sind.

Ärgerlich, das Ganze, zurzeit jedoch wohl nicht zu ändern.
Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt...

Kommentare:

Hannes hat gesagt…

Für dieses Wochenende denke ich wie du und hatte gleich zu Beginn den Gedanken: langsames, lockeres Laufen - ok. Aber einen Tempolauf oder einen richtig langen Lauf, in deinem Fall einen Marathon - da ist das Tempo egal, die Belastung ist so hoch, in die Gefahr muss man sich nicht begeben, in die Gefahr darf man sich nicht begeben.

Es ist natürlich ärgerlich, wenn dadurch ein Eckpfeiler für deine weitere Planung fehlt - aber dieser eine Eckpfeiler, der ist doch nicht das komplette Fundament - das sollte eine riesige Grundlagenausdauer bilden. Also heißt es danach, wieder Kilometer zu schrubben - und dann musst du den Rest auch nicht abhaken.

Gute Besserung!

DocRunner hat gesagt…

Hallo Stefan,

ich kann nur für mich und aus eigener Erfahrung sprechen. Laufen mit Schniefnase ohne sonstige Begleitsymptome geht immer, sowie Kopf-, Hals- oder Gliederschmerzen oder gar ein Husten mit dabei ist, wird pausiert, ebenso falls Fieber auftritt, aber ich denke, das versteht sich von selbst.
Mit schnupfen reduzier ich die Umfänge und v.a. die Höhenmeter. Hatte 2007 eine milde Myokarditis und dadurch fast 8 Wochen Zwangspause, deshalb meine Vorsicht.

Salut

DocRunner hat gesagt…

Natürlich wünsch ich Dir auch gute Besserung, hätt ich doch fast vergessen *schäm*

Stefan hat gesagt…

Danke, Hannes!
Die "riesige Grundlagenausdauer" muss ich mir aber erst (wieder) erarbeiten. Dazu hatte ich zu viele (Zwangs-)Pausen in diesem Jahr und zu wenig lange Läufe.

Auch dir danke, Doc!
Gliederschmerzen und Fieber kenne ich zum Glück fast gar nicht. Bin bei Erkältungen eher der "Huster". ;-)

Gerd hat gesagt…

Kuriere Dich aus und laufe deinen vorgesehene Strecke eine Woche später als Trainingslauf bei Dir um die Ecke.
Sicher ist sicher und die Gesundheit geht vor!
Ich wünsche Dir gute Besserung.

Heiko - Laufe Marathon hat gesagt…

Hallo Stefan,

mich hat es auch gerade aus der Bahn gehauen, nur überlege ich da nicht mehr lange - Gesundheit geht vor so schmerzlich es vielleicht ist. Der langfristige Schaden kann nach einer unüberlegten Aktion viel größer sein als der Nutzen.Wünsche Dir gute Besserung.

Gruß Heiko

Stefan hat gesagt…

Danke, Gerd und Heiko !
Ihr habt recht: Gesundheit geht vor.
Bin zwar anscheinend auf dem Wege der Besserung, aber wenn ich Sonntag erkältungsmäßig nicht zu 100% fit bin werde ich höchstens eine kürzere Strecke unter die Füße nehmen. Und das dann auch nur gaaaanz ruhig.

ultraistgut hat gesagt…

Lieber, lieber Stefan,

schon wieder so ein Fall, aber du bist ja ein vernünftiger Mensch, von daher habe ioh keine Bedenken, dass du nichts tust, was dir selbst schaden könnte.

Aus eigener Erfahrung: selbst wenn es eine normale Erkältung ist, fühlt man sich nicht gut, warum dann noch den Körper herausfordern, anstatt ihm Ruhe gönnen.

Menno, du kannst noch so viele Läufe in Angriff nehmen, da kommt es auf einen mehr oder weniger wirklich nicht an, aber du hast es verstanden und bist vernünftig, gell ?

Gute Besserung !
`

Marcus hat gesagt…

Erkältungen kommen. Erkältungen gehen. Deine kopierten Empfehlungen habe ich jetzt nicht gelesen, ich vertraue nur mir selbst und lasse mir von anderen nicht reinreden. Fakt ist, ich bin schon immer bei Erkältungen laufen, zumindest seitdem ich ein Täglichläufer bin. Entsprechend reduziert natürlich - und mir hat das immer gut getan.

Aber das muß jeder für sich selbst entscheiden. Letztlich ist damit nicht zu spaßen und Ruhe ist zu empfehlen - wenn das auch für mich nicht gilt. ;)

Alles Gute Stefan,

gute Besserung!

Stefan hat gesagt…

Ja, Margitta, ich habe verstanden und bin vernünftig. ;-)
Der recht kurze und lockere Trainingslauf gerade hat mir auch gezeigt, dass ich erst einmal weiter im Schongang laufen sollte.

Marcus, normalerweise laufe ich auch nach Körpergefühl. Aber ich denke, es kann nicht schaden, manchmal auf den Rat des medizinischen Fachpersonals zu hören, wenn eine eigene (Fehl-)Entscheidung unter Umständen heikel ausgehen kann.

Zur Zeit läufst du ja vernünftigerweise auch reduziert und kennst deine Grenzen einigermaßen; seit ein paar Tagen wohl besser denn je.


Danke für eure Genesungswünsche!

Highopie hat gesagt…

Mensch Stefan, mach bloß kein Scheiss. Auf einen Lauf kannste mal verzichten, es gibt noch so viele andere die von Dir gelaufen werden wollen.
Gruß und gute Besserung

Chris hat gesagt…

Ich finde, im Zweifelsfall lieber ein heisses Bad nehmen. Mir hat vor ein paar Jahren eine Erkältung, 10 TAge vor dem geplanten Wettkampf, wegen ausgefallenen Trainingseinheiten eine neue Bestzeit verschafft. Ich handle nach der Faustregel: Wenn die Erkältung tief ist (Halsbereich betroffen), dann kein oder eben nur ein lockeres, sanftes Training. Dieses kann, wirklich locker durchgezogen, den Kreislauf anregen und die Immunabwehr unterstützen. Alles was intensiv wird, ist Gift.
Gute Besserung

Stefan hat gesagt…

Thorsten und Christian,
ich bin schön "brav" gewesen und habe heute nur ein schönes, lockeres Läufchen gemacht. Allerdings ein besonderes. Doch dazu später... ;-)