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~ Nicht das Beginnen wird belohnt sondern einzig und allein das Durchhalten ~______
(Katharina von Siena)

Dienstag, 5. Mai 2009

Schlösser, Wurst und Aua-Hintern: ein Mountainbikemarathon im Ruhrgebiet

Früher bin ich oft Rad gefahren. Das ging auch kaum anders; Alternative wären die Füße oder der Bus gewesen. Das Rad war damals mein Verkehrsmittel.
Dann kamen aber Vespa und Auto und die alte Möhre fristete ein einsames Dasein in Keller und Garage.
Vor ungefähr zwei Jahren habe ich mir dann mal im Discounter ein Mountainbike gekauft. So ein grob bereiftes Modell der preiswerten Unimog-Kategorie. Liebevoll aus Stahlträgern zusammengeschweißt. Aber immerhin mit Scheibenbremsen vorne und hinten; etwas Luxus muss sein.
Aber auch dieser Bolide wurde bisher kaum bewegt. Eine Testrunde am heimischen See und ein paar kurze Ausfahrten letztes Jahr im Urlaub. Das war's.

Was ich damit sagen will: mein Körper ist absolut nicht mehr ans Radfahren gewöhnt. Mein Hinterteil korrespondiert hervorragend mit Bürostühlen, hatte aber schon über ein halbes Jahr keinen Kontakt mehr mit Fahrradsatteln. Aber in letzter Zeit verstärkte sich in mir die Lust, sich doch mal wieder auf ein Mountainbike zu schwingen und eine Runde zu drehen.

Am 2. Mai war es dann soweit. Da wir die eigenen Räder nicht vor Ort hatten liehen Kris und ich uns zwei Mountainbikes in einem Hertener Radverleih und machten uns auf, Gelsenkirchen und Umgebung per Rad zu entdecken. Eine Route, an der wir uns orientieren wollten, fanden wir vorher in einem Radwegeführer.
Die Strecke führte uns über Schloss Herten zum Schloss Westerholt und nach Gelsenkirchen in einen Stadtpark, wo wir ein kleines Päuschen auf einer sonnigen Bank an einem Teich machten. Weiter ging es dann zum Schloss Berge mit bunt blühenden Parkanlagen.
Blau-weiß verkleidete Menschen marschierten derweil aus allen Ecken auf eine große Turnhalle zu, "Arena" genannt. Sie sollten an diesem Tag weniger Grund zur Freude haben als wir*. ;-)
Im geruhsamen Touristiktempo ging es weiter zum Schloss Horst. Es war eine richtige Schlösser-Tour. Ein Fahrradschloss hatten wir ja auch noch.

Inzwischen waren wir auch schon ein Weilchen unterwegs. Das hatten auch unsere Hintern mitbekommen, die sich trotz gepolsterter Radhosen immer spürbarer bemerkbar machten. Blöderweise schmerzten bei mir auch die Knie, wie ich es auch schon von den letzten Urlaubsausfahrten kannte. Komisch; beim Laufen sind sie einigermaßen artig und beim radeln meckern sie rum. Versteh einer die Knie.
Meine Freunde Hunger und Durst machten sich ebenfalls bemerkbar und freuten sich mit mir immer mehr auf das nächste Zwischenziel, das ehemalige BUGA-Gelände Nordstern-Park. Und da insbesondere auf den Biergarten, den Kris und ich ansteuerten und in dem wir bei bestem Wetter unter blühenden Bäumen saßen.


[Park bei Schloss Berge, Biergarten im Nordsternpark, Brücke über den Rhein-Herne-Kanal]


Nach einer Phosphatstange im Brötchen und einem Krug Alsterwasser ging es dann mit jammerndem Beamtenhintern weiter auf den wassergeprägten zweiten Teil der Tour. Im weiterhin meist geruhsamen Tempo ging es am Rhein-Herne-Kanal und der Emscher entlang. Dass wir gelegentlich von älteren Herrschaften auf Tourenrädern überholt wurden störte uns nicht weiter. Dafür sahen wir deutlich cooler aus. ;-)
Nach einer Weile und leicht geänderter Route erreichten wir Gut Steinhausen, wo es ebenfalls einen Biergarten und ein Bratwurst-Bier-Gedeck gab. Auf dem letzten Stück variierten wir die Strecke nochmals ein wenig und nahmen in Herten noch ein Stück von der Hoppenbruch- und der Hoheward-Halde unter die Stollenreifen, bevor wir die Bikes wieder übergaben.
Mein Garmin zeigte in diesem Moment die Marathondistanz von 42,2 Kilometern an.

Eine schöne Tour war das, sicherlich nicht die letzte.
Und das mit dem Hintern und den Knien gibt sich hoffentlich bei den nächsten Touren...


*Schalke verlor das Heimspiel gegen Leverkusen mit 1:2

Kommentare:

der ewige Anfänger hat gesagt…

Mir tut schon beim Lesen der Allerwerteste weh. Läuferhintern sehen zwar klasse aus, sind aber nichts Gutes gewohnt...

Pottkieker hat gesagt…

Das kann ja nur dir passieren.. Man, man, man. Wennze schon auffe Leeze keltterst, dann musse auch den Sattel vanünftich einstellen, Kerl. Dann gibt’s auch kein Ärger mitte Kniee.. Sacht ein Ex-Biker.. Und: Scheibenbremsen am Discounter-MB?? Ich sach ma so: Ich würd immer nach ner alternative zum abspringen suchen ;-))))

Stefan hat gesagt…

@ Lars:

> Läuferhintern sehen zwar klasse aus, sind aber nichts Gutes gewohnt...

*lach*

@ Christian:

Ich denke schon, dass der Sattel vernünftig und hoch genug eingestellt war. Die Belastung der Knie war auch gar nicht hoch, aber es hat ihnen trotzdem nicht gefallen.
Mit Läuferknien scheint es wie mit Läuferhintern zu sein - nichts Gutes gewohnt... ;-)

DocRunner hat gesagt…

Tja Stefan, so ist es mit ungewohnter Belastung. Da lob ich mir mein Liegerad ;-)
Nicht immer gleich übertreiben, ist alles eine Gewohnheit, nicht immer gleich übertreiben :-)

Salut
Christian

ultraistgut hat gesagt…

Was sagt uns das ?

Genau !

Ich habe die erste Tour auch geschädigt hinter mir, und es ist nur ein Zeichen, dass wir öfter längere Touren machen sollten, so wie du es jetzt angefangen hast.

Fahrradfahren macht viel Spaß, so man beschwerdefrei unterwegs sein kann, aber das gibt sich meist nach dem ersten langen Ritt.

Schön war es trotzdem - eine wunderbare Alternative zum Laufen !

Gerd hat gesagt…

Nur nicht aufgeben. Nach 500km hast Du einen Hintern mit dem Du dich sogar auf ein Bike ohne Sattel setzen kannst. ;-)
Das mit den Knien gibt sich auch. Ich hatte auch die erste Zeit Problem. Also alles in allem nur ein Frage der Zeit im Sattel. ;-)

Stefan hat gesagt…

@ Doc Christian: Liegerad klingt schön "gemütlich" - vielleicht teste ich sowas auch irgendwann mal.

@ Margitta: Ja, eine schöne Alternative - vielmehr Ergänzung - zum Laufen ist das sicher. Man ist draußen, bewegt sich, sieht viel und tut (in der Regel) was für die Gesundheit.
Deswegen werde ich sicher in Zukunft häufiger auf dem Drahtesel sitzen und ein paar Touren machen.

@ Gerd: Irgendwie ist es ja beruhigend zu wissen, dass es anderen auch so ging und dass bei regelmäßiger Nutzung des Zweirades wohl Besserung eintreten wird.

> Nach 500km hast Du einen Hintern mit dem Du dich sogar auf ein Bike ohne Sattel setzen kannst. ;-)

Das würde mich jetzt mal näher interessieren. Natürlich nicht, weil ich ohne Sattel fahren will, sondern ganz allgemein.
Bilden sich da Muskeln am Podex, die zusätzlich polstern?
"Umformt" der Po mit der Zeit den Sattel?
Oder wächst mir am Hintern eine Hornhaut? ;-)

F13LD hat gesagt…

Cool aussehen aufm Rad ist schonmal die halbe Miete.Ich hoffe ihr wurdet nicht mit den "ähnlich verkleideten" dort verwecheselt. Bei der Trikotfarbe. =)


Lars

Stefan hat gesagt…

@ Lars: Das mit der Trikotfarbe und der Verwechslungsgefahr ist mir hinterher auch aufgefallen.

Ich hätte da alternativ auch ein gelbes gehabt, was zusammen mit der schwarzen Hose auch zu Verwechslungen führen könnte - in Gelsenkirchen möglicherweise sogar zu schmerzhaften, wenn ich nicht schnell genug fahre... ;-)

Black Sensei hat gesagt…

So eine Radtour hat was für sich, gell Stefan!? Großer Aktionsradius, schnell und bequem. Und man kann auch mal anhalten – beim Laufen mag ich das eher nicht. Mein Hinterteil macht sich übrigens nach exakt 11 KM bemerkbar. Wahrscheinlich bin ich ein Weichei! ;)

Stefan hat gesagt…

@ Marcus: Ja, eine Radtour ist was Feines; ich werde bestimmt noch weitere machen. Und das mit den Pausen hat was für sich; beim Laufen mache ich das - ausser bei X-Stunden-Läufen - in der Regel auch nicht. Zumindest war ich noch nie zwischendurch im Biergarten. ;-)

Ich glaube nicht, dass du ein Weichei bist, nur weil dein Hintern nach 11 km schmerzt.
Dann wäre ich nämlich auch eins. ;-)

Highopie hat gesagt…

Weichei vielleicht nicht, aber.... *grins*

Nee, is schon cool so'ne Tour durch'n Pott, ne? Da kannze 'ne Menge Industriekultur kucken.

Stefan hat gesagt…

@ Thorsten:

Da hasse Recht, Thorsten!

[Auf deinen Eintrag war ich übrigens schon gespannt; hatte mit einem Kommentar zu den blau-weissen gerechnet ;-) ]

Highopie hat gesagt…

>[Auf deinen Eintrag war ich übrigens schon gespannt; hatte mit einem Kommentar zu den blau-weissen gerechnet ;-) ]<

Ach Stefan, es lohnt nicht.