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~ Nicht das Beginnen wird belohnt sondern einzig und allein das Durchhalten ~______
(Katharina von Siena)

Montag, 14. Januar 2008

"Silvesterlauf mal anders" oder "Seightseeing in Laufschuhen"

Der letzte Lauf im Jahr 2007 sollte noch einmal ein kleines Highlight werden. Viele Laufkollegen nahmen am 31.12. beim Silvesterlauf von Werl nach Soest teil und dort 15 Kilometer unter die Schuhe. Für mich war dieses Jahr die Anreise zu weit - ich war zum urlauben im Allgäu. Als Alternativprogramm wollte ich daher meinen eigenen Silvesterlauf mit mindestens 15 km machen.
So brach ich dann bei Temperaturen um den Gefrierpunkt von unserer Ferienwohnung in Füssen auf in die weiße Winterwelt, war nach einigen Sekunden auf dem geräumten Radweg entlang des Lechs und nach ein paar Minuten auf der anderen Seite des Flüsschens, wo es auf festgetretenem Schneeboden weiter ging.
Auf der Karte hatte ich mir mein erstes Ziel ausgesucht: den Schwansee. Von dort wollte ich dann einfach mal weitersehen und nach Karte laufen.
Über Alterschrofen erreichte ich dann den Schwansee, der, wie fast alle Seen in der Gegend, zugefroren und von einer weißen Puderschicht aus Schnee bedeckt war. Da, wo sich im Sommer Badende tummeln, ragte nutzlos ein Bootssteg aus der weißen Fläche. Ich nahm den Seerundweg gegen den Uhrzeigersinn unter die Füße und hatte nach wenigen Minuten einen schönen Blick mit dem See im Vordergrund und den Königsschlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein im Hintergrund. Als nächstes wollte ich den Alpsee ansteuern und nahm dazu den Fischersteig, einen schmalen, in Zick-Zack-Serpentinen hinaufführenden Pfad. Auf der Hügelhöhe angekommen konnte ich die gewonnenen Höhenmeter gleich wieder in Gefälle eintauschen und kam am Rande des Alpsees zur Fahrstrasse zum Schloss Hohenschwangau. Und wo ich schon mal da war, ließ ich es mir nicht nehmen, eben hinauf zu laufen. Im Vorbeilaufen grüßte ich freundlich in die Kutsche, die gehfaule Touristen den Anstieg hoch brachte und erreichte dann das gelblich gestrichene Schloss, in dem König Ludwig II. von Bayern aufwuchs, bevor er dann den Trend zum Eigenheim exzessiv umsetzte und sich Schloss Neuschwanstein bauen ließ.
Während ich auf dem Schlosshof in Laufklamotten sicherlich zwischen umherlaufenden und knipsenden Touristen aller Herren Länder ein befremdliches Bild abgab und selbst ein paar Fotos machte, setzte leichter Schneefall ein. Als ich wieder am Alpsee war, wurde der Schneefall stärker und die Sonne hatte Mühe, durch die Flocken zu kommen und tauchte die Gegend in ein beeindruckendes, surreales Licht.
Mein nächstes Ziel sollte die Wallfahrtskirche St. Coloman sein, die auf freiem Feld in der Nähe von Schwangau steht, mit der Bergkulisse im Hintergrund ein tolles Bild abgibt und oft auf Kalenderblättern zu finden ist. Auf dem Weg dorthin ließ ich schnell das Hektik verbreitende Örtchen Hohenschwangau hinter mir und wollte entlang der Landstraße weiter laufen. Dort gab es jedoch weder Fuß- noch Radweg. Also nahm ich den Radweg Richtung Tegelbergbahn und war überrascht, als nach kurzer Zeit ein Wegweiser nach rechts in die Pöllatschlucht wies. Da musste ich doch zumindest mal näher hinsehen. Ein Schild verbot den Zutritt wegen Steinschlages, ein zweites ließ ihn auf eigene Gefahr zu. Ja was denn nun? Ich entschied mich für Variante zwei und entdeckte halb zugefrorene Wasserrinnen aus Holz und eine Steilwand mit angeschraubtem Stahlsteg, den ich ein Stück entlangging. Dann wurde es aber doch zu rutschig und ich hangelte mich wieder Richtung Radweg, auf dem ich dann weiter nach St. Coloman laufen wollte. Der Schneefall wurde jetzt jedoch wieder stärker, die Schneeflocken blieben trotz Schirmmütze in Wimpern und Augenbrauen hängen. Als Ruhrgebietrandbewohner habe ich dies schon länger nicht mehr erlebt. Da die Sicht schlechter wurde, disponierte ich um, strich St. Coloman aus dem geistigen Navi und lief, sehr angenehm auf einer leichten Neuschneedecke, direkt nach Schwangau rein. Dort ließ der Schneefall dann wieder nach. Also lief ich doch noch St. Coloman, auch wenn die Bergkulisse im Hintergrund wolkenverhangen und nicht kalenderbildtauglich war.
Über Schwangau und Horn ging es dann auf meist bekannten Wegen, auf denen mir noch ein Pferdeschlitten entgegenkam, wieder zurück zur Ferienwohnung, wo dann nach gut 16 Kilometern einer meiner schönsten und abwechslungsreichsten Läufe und ein gelungener Jahresabschluss zu Ende ging.

1 Kommentar:

LocalZero hat gesagt…

Ist doch mal was ganz anderes als ständig über die B1 nach Soest zu rasen, oder? Wirklich ein schöner Bericht und vielleicht solltest Du mal im Sommer den König-Ludwig-Marathon laufen. Da gibt's die Gegend dann auch schneefrei ;-)

Schöne Grüße
Lars